26.08.2019
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Streetworker geben Marcelo eine Chance

Limbach-Oberfrohnaer Mittelschüler lernen Eliel und Christiane Dantas aus Brasilien kennen - Ihr Einsatz gegen Drogen findet großes Interesse bei Siebenklässlern


Limbach-Oberfrohna. Marcelo Henrique kennt weder Vater noch Mutter. Der 32-Jährige lebt seit fast 20 Jahren auf den Straßen der brasilianischen Stadt Curitiba. Leuten wie ihm geben Eliel und Christiane Dantas eine Chance. Der gebürtige Brasilianer und die gebürtige Dresdnerin arbeiten als Streetworker in dieser Großstadt. Voriges Jahr eröffneten sie eine Therapieeinrichtung, die acht Leuten Platz bietet. Aufgebaut haben sie diese mit Hilfe des Chemnitzer Vereins Freundeskreis Christlicher Mission (FCM).


Gäste aus Brasilien begrüßten die Schüler der Limbach-Oberfrohnaer Gerhart-Hauptmann-Mittelschule. Im Bild: Christiane und Eliel Dantas (Mitte) bei ihrem Vortrag in der Klasse 7b. -FOTO: ANDREAS SEIDEL

Über ihre Arbeit berichtete das Ehepaar an vier Schulen in Limbach-Oberfrohna. Auch die 7b der Hauptmann-Mittelschule hörte gut zu. Eliel und Christiane Dantas suchen auf den Straßen Curitibas regelmäßig Kontakt zu obdachlosen drogenabhängigen Jugendlichen. Dabei lernten sie Marcelo kennen. Wie andere Obdachlose bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs. Diebstahl und Drogenhandel. Manchmal bekam er Essenreste aus Gaststätten. "Der schwer Tuberkulose kranke Marcelo wurde in einer Klinik behandelt. Kurz darauf nahm er wieder Drogen. Nach einer Entgiftung im Krankenhaus hat er sich jetzt endlich zu einer Therapie entschlossen", erklärt die Sozialpädagogin Christiane Dantas. Ihr Mann, der ein Lehrerstudium absolvierte, kennt die Probleme der Straße genau. Er wuchs in einem Armenviertel am Stadtrand von Curitiba auf. "Manche meiner Schulfreunde sind früh gestorben, an Drogen oder Aids", sagt er. Drogen sind jedoch ein Problem, das sich durch alle brasilianischen Gesellschaftsschichten zieht. Die Armen haben die wenigsten Chancen, aus dem Milieu wieder herauszufinden. "Uns geht es nicht nur darum, dass der Körper frei von Drogen wird. Wir wollen den Leuten auch einen neuen Lebensstil vermitteln." Dafür bietet die neue Einrichtung in Sao Jose, einem ländlichen Gebiet nahe der Großstadt, optimale Bedingungen. Die Suchtkranken arbeiten in einer kleinen Landwirtschaft und sprechen oft über ihre Probleme. "Nicht jede Therapie ist erfolgreich", weiß Eliel Dantas. ?Solange die Leute leben, besteht jedoch eine Chance. Tragisch ist, wenn sie wegen ihrer Sucht ihr Leben lassen müssen." Streetworker Olaf Hentschel, der die Veranstaltung organisierte, bestätigt solche Erfahrungen. Er arbeitete mehr als zwei Jahre in einer ähnlichen Therapieeinrichtung in Brasilien. Auch er hat viel Elend gesehen: Zwölfjährige, die mit Drogen vollgepumpt waren, aber nicht lesen und schreiben konnten. "Ich kann jedem nur raten, die Finger davon zu lassen. Das geht schon bei der Zigarette los. Jeder sollte sich überlegen, ob es wirklich cool ist, mit einem Glimmstengel vor Freunden anzugeben."

Kevin ging die Sache unter die Haut: "Ich glaube, dass ich mal nichts mit Drogen zu tun haben werde", meint der 13-Jährige nachdenklich. Und Biologie-Lehrerin Kathrin Birkeneder: "Das Drogenproblem ist Unterrichtsstoff in der siebten Klasse. Gut finde ich, dass es Menschen gibt, die Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind, Hilfe anbieten."

Freie Presse 08.01.2004 (SO)





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