28.10.2963
Malend mittendrin
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Ein Leben für die Kunst: Horst Schieke wird 85 Jahre alt


Limbach-Oberfrohna. Bald wird er 85 und in 18 Monaten feiert er mit seiner Frau Marianne die diamantene Hochzeit: Horst Schieke, geboren 1920 in Oberfrohna. Wenn er aus seinem Leben erzählt, merkt der Zuhörer, wie er sich stets bemüht hat, dazuzulemen, immer noch besser zu malen.


Die Malerei ist seine Leidenschaft: Horst Schieke aus Limbach-Oberfrohna. -FOTO: ANDREAS TRUXA

„Ich bin gelernter Schlosser und wollte Ingenieur werden, aber gemalt habe ich schon immer gerne", erinnert er sich, „ab 1936 habe ich bei einem Maler in Chemnitz Unterricht genommen. Das war für mich als Lehrling fast unerschwinglich. Drei Mark die Schülerfahrkarte für die Woche, die Malstunde weitere zwei Mark. Aber so ich habe alle Techniken gelernt: Kreide, Feder, Aquarell, Öl, ob Landschaft oder Porträt."

So lange der Frieden währte - denn als 19-Jähriger wird er eingezogen, bleibt fünfeinhalb Jahre im Krieg, wird verwundet. Das Glück aber ist ihm hold. Im letzten Moment wird er aus dem Stalingrader Gebiet in Russland nach Frankreich versetzt. Er erlebt dort die Invasion der Alliierten, kommt statt in Gefangenschaft in eine Arbeitskompanie. Er heiratet heimlich und „empfiehlt" sich bei erstbester Gelegenheit Richtung Heimat. 1946 kommt er in Limbach-Oberfrohna an.

Zu dieser Zeit gibt es schon eine Gruppe um Horst Strohbach, die Ausstellungen organisiert, außerdem wird eine Ortsgruppe des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands gegründet. Horst Schieke, malend, immer mittendrin. Vor allem Porträts waren bei den Sowjets gefragt, besonders historische Persönlichkeiten. Horst Schieke malt, stellt aus, verkauft. Er gewinnt die Ausschreibung für den Entwurf des Denkmals, das noch heute auf dem Parkplatz am Rathaus steht: „Tote, die ewig mahnen", das hat er als Schriftzug gewählt.

1953 wird er beruflich sesshaft, arbeitet als Gebrauchsgrafiker im Konsum, bleibt trotzdem als Künstler ein Lernender, malt nach Feierabend, besucht einen Kurs Komposition und Akt des Grafikers an der Volkshochschule. 1960 schuf er ein Wandbild in der Gerhart-Hauptmann-Schule Oberfrohna, 1981 eins für das Sanatorium Antonshöhe, gemeinsam mit Manfred Stahn und Joachim Walter. Besonders wichtig ist ihm die Zirkelarbeit seit 1955 gewesen, ab 1963 in Chemnitz bei Hermann Gabler. Als Ehrenamtlicher übernimmt er die Leitung der Kreis- und Bezirksarbeitsgemeinschaften bildnerisches Volksschaffen, baut 1973 im Kreiskulturhaus der Stadt - gemeinsam mit Manfred Stahn - Zirkel auf, leitet selbst welche. Und er malt, ab 1985 nur noch freischaffend, füllt die Schränke, wie seine Frau Marianne schmunzelnd sage.

An Gelegenheiten habe es nie gemangelt. Den Skizzenblock hatte er stets dabei. Aquarelle, Mitbringsel von Reisen in die Alpen, nach Italien und Südfrankreich, schmücken sein kleines Atelier in der neuen Wohnung. Ein sehr schönes Bild ist dabei vom Teichgebiet in LimbachOberfrohna und „Herbst an der Knaumühle". Farbenfroh alle, aber nicht laut. Von den rund 200 Ausstellungen in den vielen fahren sei ihm die zu seinem 75- Geburtstag in der Rathausgalerie 1995 in guter Erinnerung, eine andere in Dresden 1997, gemeinsam mit Joachim Walter. Früher habe er sehr viel mit Öl gemalt. „Das hat sich geändert", sagt er, „auch aus materialtechnischen Gründen. Jetzt bevorzuge ich Tempera und Acryl auf Karton und Aquarellmalerei."

Die Reisemöglichkeiten nach der Wende hätten seine Malerei zusätzlich beeinflusst. Mehr Landschaften seien zu finden, figürlich arbeite er kaum noch. „Mich interessieren Grenzbereiche in der Motivgestaltung, Wasser und Land, und Kontraste, zum Beispiel Alter und Jugend. Ich bin zwar Realist, und das bleibe ich auch, aber nur realistisch abmalen ist nicht mein Ding." Pläne für 2004 habe er keine großen. „Ich hoffe, am Openair in Wolkenburg teilnehmen zu können.

Freie Presse 14.04.2004 (JHA)
gunther logo  Letzte Änderung: 05.11.2007 - 07:31:47